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d) Die private Krankenversicherung

Völlig anders funktioniert das System der privaten Krankenversicherung. Auch hier gibt es ein Solidarprinzip: Das Prinzip der Solidarität des Gesunden mit demjenigen, der das Pech hat, gerade krank zu sein. Jedoch nicht das Prinzip der Solidarität des viel Verdienenden mit dem wenig Verdienenden. Es findet keine Umverteilung statt. Vielmehr sind die Tarife streng nach versicherungsmathematischen Gesichtspunkten kalkuliert: Wessen Risiko, krank zu werden, gering ist, der zahlt geringere Prämien. Wer vermutlich häufiger krank sein wird und vermutlich entsprechend mehr Kosten verursachen wird, der zahlt entsprechend mehr. Auch ist für jedes Familienmitglied ein eigenständiger Vertrag (mit jeweils entsprechenden Prämien) abzuschließen. Eine vielköpfige Familie zahlt also auch viel  Versicherungsprämien (wie es eigentlich logisch ist, es sei denn, man möchte bewusst eine Subventionierung vornehmen).

Bei der privaten Krankenversicherung gehen Sie als Privatpatient zum Arzt. Sie werden alsdann die Rechnung des Arztes erhalten, sollten diese natürlich prüfen, und können sie alsdann bei Ihrer Versicherung zur Erstattung einreichen (auch, wenn Sie diese noch nicht bezahlt haben – Sie müssen also nicht zwangsläufig in Vorleistung gehen). Als Privatpatient gewinnen Sie also einen Überblick darüber, was Ihre Behandlung gekostet hat. Und Sie werden natürlich feststellen können, ob Ihre Versicherung an Ihnen verdient oder ob Sie ein eher schlechtes Risiko darstellen.

Das heißt natürlich auf der anderen Seite: Sie haben einen gewissen Verwaltungsaufwand selbst zu leisten: Sammeln der Rechnungen, prüfen der Rechnungen, Briefe an Ihre Versicherung, deren Abrechnung abwarten und prüfen, Zahlungseingang der Versicherung prüfen, ggf. Rücksprache halten mit Ihrem Arzt und/oder dem Sachbearbeiter Ihrer Versicherung. Wenn Ihre Versicherung eine Rechnung des Arztes für nicht ordnungsgemäß halten sollte, so sitzen Sie zwischen den Stühlen: Sie haben den Vertrag mit dem Arzt und haben den Arzt zu bezahlen. Sie haben den Vertrag mit der Versicherung und haben von dort die Erstattung zu erwarten. Die Versicherung hat keinen Vertrag mit dem Arzt. Die Versicherung wird auch nicht unmittelbar mit Ihrem Arzt reden. Das läuft alles über Sie. Sie werden sich dann entscheiden müssen, ob Sie sich lieber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Versicherung streiten wollen bzw. welchen Standpunkt Sie für gerechtfertigt halten, oder ob Sie es einfach hinnehmen möchten, dass Sie auf einem Teil der Kosten allein sitzen bleiben, falls Sie sich mit keinem von beiden streiten möchten.

Die private Krankenversicherung wird nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Es handelt sich also schlicht um ein Unternehmen, welches Gewinn erwirtschaften möchte. Auch bei der privaten Krankenversicherung gibt es natürlich Verwaltungskosten, welche die Prämien belasten.

Die privaten Krankenversicherungen werben damit, dass sie die besseren Leistungen erbringen. Richtig ist, dass Ärzte für Leistungen an Privatpatienten mehr abrechnen als sie für Leistungen an Kassenpatienten erhalten. Ob dadurch jedoch die ärztlichen Leistungen besser sind, ist doch noch die Frage. In manchen Arztpraxen (nicht in allen) werden Sie als Privatpatient bevorzugt behandelt, insbesondere könnte es sein, dass Sie weniger lange warten müssen. Das ist jedoch mehr eine Frage der Bequemlichkeit als der Qualität der ärztlichen Leistung. Es gibt auch manche Ärzte, die keinen Vertrag (mehr) mit den gesetzlichen Kassen haben und nur (noch) Privatpatienten behandeln. Es fragt sich jedoch, ob dies die besseren Ärzte sind oder ob es nur einfach die Ärzte sind, die mehr verdienen möchten.

Auch im Krankenhaus fragt es sich doch, ob letztlich die „Chefarztbehandlung“ besser ist als die Behandlung durch die gerade diensthabenden Ärzte. „Chefarztbehandlung“ hört sich gut an. Sicher ist der Chefarzt auch besonders erfahren. Er könnte aber auch einfach nur besonders alt (und inzwischen etwas tatterig) sein. Es könnte auch sein, dass er im täglichen Krankenhausbetrieb nicht mehr so viel operiert und dadurch inzwischen etwas aus der Übung ist. Das können Sie im Vorhinein nicht wissen. Sicher ist es auch nicht so gut, von einem unerfahrenen Arzt operiert zu werden. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass solange ein Arzt wirklich unerfahren ist, ein anderer ihm auf die Finger schaut und notfalls eingreift. Aber glauben Sie wirklich, dass der Assistenzarzt eingreifen wird, wenn der Professor mit seinen inzwischen etwas zittrigen Fingern einen Fehler macht – und damit seine eigene Karriere gefährden wird?

Und das Einbettzimmer? Das sollten Sie auf keinen Fall wählen. Denn dann merkt es ja niemand, wenn Sie gerade verbluten. Und Zwei- und Dreibettzimmer gibt es inzwischen auf den meisten Stationen sowieso – auch ohne Zuzahlung.

Da die privaten Krankenversicherungen wie gesagt gewinnorientierte Unternehmen sind, und da Krankheitskosten die Bilanz eines solchen Unternehmens nun mal belasten, müssen Sie davon ausgehen, dass eine private Krankenversicherung sich im Zweifel weniger kulant zeigen wird als eine gesetzliche Krankenkasse (der die Kosten gleichgültig sind) sich im gleichen Fall zeigen würde. Die private Krankenversicherung würde die Kostenübernahme ablehnen, sobald sich auch nur die geringste Möglichkeit dazu anhand der Versicherungsbedingungen eröffnete. Irgendwelche sozialen Gesichtspunkte oder moralische Skrupel würden bei dieser Entscheidung der Versicherung kaum eine Rolle spielen.

Die privaten Versicherungen sind auch erfahrungsgemäß sehr schnell mit Risikozuschlägen bei der Hand, wenn Sie irgendeine Vorerkrankung aufweisen sollten, die möglicherweise kostenträchtig werden könnte – wenn denn das Risiko hinsichtlich dieser Vorerkrankung überhaupt versichert werden kann. Die privaten Versicherungen können ja – insoweit im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen – bestimmte Versicherte ablehnen, d.h. sie können sich die Rosinen der guten Risiken herauspicken. Diese Risikozuschläge kommen sehr leicht schon dann zum Tragen, wenn bestimmte Ärzte – um sich ein höheres Honorar zu sichern – bei Ihnen erbrachte Leistungen als aufgrund körperlicher Besonderheiten Ihrerseits besonders schwierig zu erbringen dargestellt haben. Sie können selbstverständlich irgendwelche Vorerkrankungen nicht einfach verschweigen. Denn die Versicherung behält sich vor, bei den früher behandelnden Ärzten nachzufragen. Und falsche Angaben führen sofort zur Leistungsfreiheit der Versicherung.

Die privaten Krankenversicherungen werben auch damit, dass Sie Ihren Vertrag zwar jederzeit kündigen könnten, das Versicherungsunternehmen jedoch kein Kündigungsrecht hätte. Das hört sich für Sie zunächst gut an. In der Praxis hat die Versicherung trotzdem Instrumente, sich Ihrer zu entledigen, wenn sie es denn möchte. Dieses Instrument sind die verschiedenen „Tarife“. Sie werden in einen bestimmten Tarif eingestuft, wenn Sie die Versicherung abschließen bzw. Sie wählen einen bestimmten Tarif. Wenn sich nun in einem solchen Tarif (das ist nichts anderes als eine bestimmte Untermenge aller Versicherten bei dieser Versicherung) die schlechten Risiken häufen sollten und die Versicherung sich dieses Tarifs entledigen möchte, so kann sie ganz einfach diesen Tarif für die Aufnahme neuer Versicherter schließen und für die neuen Versicherten einen neuen Tarif eröffnen. Das hat dann zur Folge, dass in Ihrem Tarif der Nachwuchs fehlt. Damit stirbt Ihr Tarif sozusagen aus. Denn in Ihrem Tarif werden die Versicherten im Schnitt immer älter, die Kosten werden immer höher – ebenso steigen natürlich die Prämien ins unermessliche – bis Sie es leid sind und von selbst kündigen.

Und da bei der privaten Krankenversicherung wie gesagt die Höhe der Prämien sich an Ihrem Krankheitsrisiko orientiert und dieses Risiko mit Ihrem von Jahr zu Jahr zunehmenden Lebensalter natürlich ansteigen wird, so werden sich auch Jahr für Jahr mit schöner Regelmäßigkeit Ihre Prämien erhöhen – und dies nicht nur wegen der allgemeinen Inflation bzw. des Anstiegs der Gesundheitskosten insgesamt, sondern darüber hinaus auch noch wegen Ihres persönlichen gestiegenen Risikos. D.h. also, Ihre Prämien werden sich gleich zweifach erhöhen. Die privaten Krankenversicherungen haben dieses Problem zwar inzwischen erkannt und bereits seit längerem damit begonnen, Alterungsrückstellungen zu bilden, welche diesem Phänomen entgegen wirken sollen. Diese Alterungsrückstellungen sind jedoch in der Regel viel zu niedrig, um diese Funktion wirksam erfüllen zu können.

Diese Alterungsrückstellungen bedeuten nämlich nichts anderes, als dass die Prämien für die jüngeren Versicherten und besseren Risiken erhöht werden müssen, um eben diese Rückstellungen zu bilden (spare in der Zeit, so hast du in der Not). Das ist jedoch auch nicht im Interesse der Versicherungen, denn damit verlieren sie ja eines der wirksamsten Instrumente der Werbung: Jüngere Versicherte mit möglichst niedrigen Prämien bei guten Leistungen zu werben (ködern).

Wenn man nun von einer privaten Krankenversicherung in eine andere private Krankenversicherung wechseln möchte (weil diese geringere Prämien oder bessere Leistungen bietet oder warum auch immer), so wäre es ja nun eigentlich selbstverständlich, dass man eben diese angesammelten Alterungsrückstellungen auf die neue Versicherung übertragen kann, also sozusagen „mitnehmen“ kann – wie es bei der Kraftfahrzeugversicherung mit dem Schadensfreiheitsrabatt ganz selbstverständlich ist. Dies ist jedoch leider nicht so. Die Versicherungen argumentieren hier mit meiner Meinung nach fadenscheinigen Argumenten, dass dies unsolidarisch sei gegenüber den verbleibenden Versicherten. In Wirklichkeit dürfte es allerdings wohl darum gehen, dass die Versicherungen den Wechsel unterbinden möchten – das heißt, man ist dann mit seiner Versicherung „verheiratet“. Das ist zwar meiner Meinung nach nicht in Ordnung – denn hier wird ja der Wettbewerb zwischen den Versicherungen unterbunden – aber wir werden daran wohl kaum etwas ändern können. Eigentlich müsste hier das Kartellamt vielleicht mal aktiv werden. Von Seiten der Politik verlautet neuerdings, dass man hieran etwas ändern möchte. Ich hielte das jedenfalls für einen Schritt in die richtige Richtung.

Weiter -> Was soll man denn nun tun, wenn beide Alternativen nicht taugen?


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